Interview Preisträger Schönstes enhanced eBook

Es sind keine „nur digitalisierten“ Bücher
Im Gespräch mit Andreas Huber, Preisträger des eBook Awards 2014 in der Kategorie Schönstes enhanced eBook

Andreas Huber (Lehrbücher Huber) ©Andreas Huber
Andreas Huber (Lehrbücher Huber) ©Andreas Huber

Andras Huber (Lehrbücher Huber) Abiturient und jüngster Schulbuchautor, hat mit „Physik 7“ ein interaktives Lehrbuch für den Einsatz im Unterricht entwickelt. Nach Meinung der Jury wurden die Möglichkeiten von iBooks Author, dem Autorentool mit welchem das eBook konzipiert wurde, hervorragend für die didaktische Aufbereitung der Inhalte genutzt.

 

Was sind die Vorteile eines eBooks gegenüber einer App? Warum hast du dich entschieden ein enhanced eBook zu dem Thema zu entwickeln?

Grundsätzlich gibt es an einer App nichts auszusetzen. Man hätte vermutlich sogar mehr Freiheiten und Möglichkeiten bei der Entwicklung einer App als bei einem eBook — vorausgesetzt (und hier kommt das große „aber“) man ist ein Entwickler, der programmieren kann. Da ich jedoch nicht über derartige Fähigkeiten verfüge, fiel diese Option schon mal von vornherein weg. Letztendlich kommt es aber auch auf das gesamte Erlebnis an, das man hat, wenn man derartige Produkte konsumiert. Es geht schließlich nicht darum, mit unnützen Spielereien zu zeigen, was technisch möglich ist, sondern darum, was auch wirklich — in meinem Fall didaktisch — sinnvoll ist. Somit ist das Format meines Erachtens nicht ausschlaggebend für ein gutes oder schlechtes Produkt; es kommt immer auf die jeweilige adäquate Umsetzung an. Mit iBooks Author kann man spielend einfach Multi-Touch Bücher auf einem Mac erstellen ohne, dass man eine einzige Zeile Code schreiben muss. Und trotzdem kann man das Buch sowohl vom Layout als auch vom Funktionsumfang her nach eigenen Vorstellungen gestalten. Darüber hinaus ist iBooks Author kostenlos im Mac App Store erhältlich, was auch ein entscheidendes Argument für die Verwendung war. Die grundlegenden Funktionen und Gesten, also wie man beispielsweise zwischen Seiten navigiert, eine Markierung erstellt oder das Buch durchsucht, werden bereits von der iBooks-Plattform vorgegeben. Das hat den Vorteil, dass alle Bücher, die mit iBooks Author erstellt werden, auf dieselbe Weise funktionieren, sodass man sich nicht für jedes einzelne Buch umgewöhnen muss.

Zunächst hatte ich mir die App iBooks Author einfach mal nur zum Probieren herunterladen. Mir gefiel die App von Anfang an richtig gut, da sie einerseits recht einfach zu verwenden ist und andererseits trotzdem leistungsstarke Tools bereitstellt. Also überlegte ich mir, für welches Fach es sich lohnen könnte, ein interaktives Lehrbuch zu erstellen. Mir fiel auf Anhieb Physik ein, da man bei einem naturwissenschaftlichen Fach Sachverhalte sehr gut visuell darstellen kann — perfekt also, um das Format mit Videos, Animationen und Bildergalerien voll auszunutzen. Da ich zu dieser Zeit in der achten Jahrgangsstufe war, begann ich also mein erstes Buch „Physik 8“ zu schreiben. Für mich lief das Ganze nach dem Prinzip „learning by doing“ ab. Nachdem das Buch fertig und im iBooks Store veröffentlicht war und ich schon einige Verkäufe sowie positive Kritik verzeichnen konnte, machte ich mich also an die Erstellung eines neuen Lehrbuchs: „Physik 7“. Bei meinem zweiten Lehrbuch war es mir besonders wichtig, dass ich das, was ich bei der Entwicklung von „Physik 8“ gelernt hatte, weiterentwickle und optimiere. Besonders das Design stand dabei von Anfang an im Mittelpunkt, welches ich frischer, klarer, einheitlicher und moderner gestalten wollte.
Bei all meinen Bücher ist es mir wichtig, dass sie eine tatsächliche Verbesserung gegenüber normalen Schulbüchern aus Papier darstellen. Es sind eben keine „nur digitalisierten“ Bücher, die genauso statisch wie ein gedrucktes Buch sind — vergleichbar mit einer PDF-Datei. Zudem war es mir wichtig, zu zeigen, dass Technologie in Bezug auf Schule auch positive Seiten haben kann.

 

Die aktuelle Einreichungsphase läuft noch bis zum 6. September. Wie war das bei dir letztes Jahr, wie hast du von dem Award erfahren und wie kam es dann zu der tatsächlichen Einreichung?

Nachdem ich „Physik 7“ veröffentlicht und Pressemitteilungen rausgeschickt hatte, bekam ich eine Rückmeldung von Buchreport und wurde um ein Interview gebeten, das ich mit Freuden annahm. Durch dieses Interview wurde dann auch das Jurymitglied Vedat Demirdöven auf mich aufmerksam und er schickte mir eine Mail, in der er mich auf den eBook Award hinwies. Einen Tag später reichte ich dann meine Bewerbung ein. Rückblickend war das also eine ziemlich knappe Sache, da die Zeit für Einreichungen nur wenige Tage später endete. Wie man sieht, waren also viele Zufälle die Faktoren für die Einreichung meiner Bewerbung. Vedat Demirdöven hätte es in seinem Bericht über den eBook Award wohl kaum treffender sagen können: „Das sind Geschichten, die das Leben schreibt.“

 

Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse 2014. Jurymitglied Steffen Meier (Readbox) gratuliert Preisträger Andreas Huber (Lehrbücher Huber) ©Vedat Demirdöven
Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse 2014. Jurymitglied Steffen Meier (Readbox) gratuliert Preisträger Andreas Huber (Lehrbücher Huber) ©Vedat Demirdöven

„Die Reaktionen auf den Gewinn des Awards waren unglaublich.“
Hat sich der Gewinn des Awards bemerkbar gemacht? Was ist seitdem passiert?

Die Reaktionen auf den Gewinn des Awards waren unglaublich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich am nächsten Tag noch ein bisschen in Frankfurt unterwegs war und plötzlich eine Pushbenachrichtigung von der WordPress-App auf mein iPhone erhalten habe, in der ich darüber informiert wurde, dass meine Besucherzahlen drastisch gestiegen waren (wusste gar nicht, dass die App so etwas kann). Und natürlich war „Physik 7“ jetzt auch im iBooks Store ganz vorne mit dabei. Selbst mein älteres Buch „Physik 8“ wurde in Sachen Downloads nach vorne gepusht. Auch die Platzierung auf der Startseite des iBooks Store wenige Tage später steigerte die Popularität weiter. Und als ich auf der Rückfahrt von Frankfurt meine Mails checkte, fand ich in meinem Posteingang viele Nachrichten von Eltern und Lehrern, die allesamt von den Lehrbüchern begeistert waren. Das, wovon man noch vor ein paar Tagen nicht einmal zu träumen gewagt hätte, war eingetroffen.
In den darauffolgenden Wochen gab es dann ein paar Interviews, wie beispielsweise beim Magazin von Sofatutor. Außerdem durfte ich Anfang August in den wunderschönen Räumlichkeiten des Apple Store am Kurfürstendamm in Berlin ein Event abhalten, bei dem ich meine Lehrbücher vorstellen und zugleich ein Update für mein erstes Buch „Physik 8“ ankündigen konnte. Das war eines der größten „Highlights“ für mich.

 

On-Demand, eBook Flatrates und soziale Netzwerke

Wie siehst du die Zukunft des digitalen Publizierens? Was wird sich in den nächsten Jahren verändern?

Die Zukunft ist immer schwer vorherzusagen, da wir in einer Welt leben, die sich aufgrund des Einflusses von Technologie sehr schnell wandelt. Sicher ist, dass mit jeder neuen Entwicklung auch neue Herausforderungen kommen werden.
Heutzutage muss man nicht mehr alle Dinge selbst besitzen wie früher. So kann man sich beispielsweise in Großstädten per App ein Auto leihen. Es gibt Musik-Faltrates, mit denen man unbegrenzt auf eine riesige Musiksammlung „on demand“ zugreifen kann. Und es gibt auch schon eBooks-Flatrates, die — wie ich glaube — in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Das Leseverhalten wird dadurch viel spontaner.
Mit der ständig wachsenden Zahl an Büchern, besonders im Indie-Autoren-Segment, müssen sich Store-Betreiber auch darüber Gedanken machen, wie ihre Such-Algorithmen arbeiten sollen, damit der Interessent genau die Bücher findet, die er auch wirklich haben will, und damit ein einzelnes Buch oder eine App nicht in der Menge untergeht, sodass jeder Autor die gleiche Chance hat, Beachtung zu erlangen.
Dagegen sind eine weitreichendere Integration von sozialen Netzwerken sowie eine Weiterentwicklung der Interaktivität schon eher Pflichtprogramm. Auch dahingehend, um die nächste Generation von Lesern anzusprechen, die ja nur schwer für das traditionelle Schmökern zu begeistern ist.
Es bleibt also spannend und auch ich freue mich dieses Jahr als neues Jurymitglied darauf, mich von großartigen Konzepten überraschen zu lassen. Aber egal, was die Zukunft an neuen Ideen auch bringen wird — der eBook Award wird die besten und innovativsten von diesen Ideen auszeichnen.

 

Das Gespräch führte Clarissa Niermann.
Weitere Informationen unter https://lehrbuecherhuber.wordpress.com